Der Wels ist der größte Räuber unserer Flüsse und Seen – und einer der eigenwilligsten. Er jagt nicht am hellen Tag und nicht mit den Augen, sondern in der warmen Nacht, mit einem ganzen Arsenal anderer Sinne. Die kurze Antwort auf die Frage, wann er am besten beißt, lautet: in warmen Sommernächten von der Dämmerung an – und vor allem dann, wenn nach warmem Regen das Wasser steigt. Kein anderer heimischer Fisch reagiert so stark auf einen steigenden Pegel wie der Waller. Die spannende Antwort steckt in seiner Biologie.
Die beste Jahreszeit: Hochsommer
Der Wels ist, wie der Aal, ein ausgeprägter Sommerfisch – und der wärmeliebendste Räuber überhaupt. Seine Hochsaison beginnt, sobald sich das Wasser im späten Frühjahr richtig erwärmt, und reicht durch die heißen Wochen bis in den Spätsommer – mit dem klaren Höhepunkt im Hochsommer, Juli und August. Dann ist das Wasser warm, die Nächte sind lau, und der Wels frisst auf Hochtouren.
Im Herbst lässt das Beißen mit der Abkühlung deutlich nach, und im kalten Winter stellt der Wels das Fressen fast ganz ein: Er steht dann regungslos in tiefen Löchern und rührt sich kaum. Anders als bei Hecht und Barsch gibt es beim Wels also kein Herbst-Hoch – seine Zeit ist und bleibt der Hochsommer. Warum die Jahreszeit den Stoffwechsel so stark steuert, steht im Artikel zu den Jahreszeiten beim Angeln.
Wassertemperatur: der Wärmeliebhaber unter den Räubern
Beim Wels führt kein Weg an der Wärme vorbei. Er wird erst ab etwa 20 °C so richtig aktiv – das ist wärmer als bei jedem anderen unserer Raubfische und sogar noch anspruchsvoller als beim Karpfen. Sinkt das Wasser unter rund 12 °C, wird er zunehmend träge. Deshalb deckt sich seine Beißzeit so genau mit den heißesten Wochen des Jahres. Wie eng Temperatur und Fresslust zusammenhängen, liest du im Artikel zur Wassertemperatur und Fischaktivität.
Die beste Tageszeit: von der Dämmerung in die Nacht
Der Wels ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Sein bestes Fenster beginnt in der Abenddämmerung und reicht weit in die Nacht hinein, mit einem Schwerpunkt am frühen Abend gegen 21 Uhr. Anders als der Aal, der die ganz tiefe Nacht abwartet, legt der Wels also schon früher los.
Der Clou: Weil er nicht auf Licht angewiesen ist (dazu gleich mehr), jagt er in stark getrübtem Wasser und an bedeckten Tagen auch mitten am Tag. Ein dunkler, regnerischer Nachmittag mit steigendem Wasser kann deshalb genauso gut sein wie die Nacht. Mehr dazu, warum die Dämmerung generell so verlässlich funktioniert, steht im Artikel zu Tageszeit und Dämmerung.
Der Sinneskünstler: Jagd ohne Augen
Das ist der Schlüssel zum Wels. Er verlässt sich bei der Jagd kaum auf seine kleinen Augen, sondern auf drei andere Systeme:
- Die Barteln – die langen „Schnurrhaare” – sind mit Geschmacks- und Tastzellen besetzt und erschmecken Beute förmlich im Wasser.
- Die Seitenlinie nimmt feinste Druckwellen und Vibrationen wahr; ein zappelnder Fisch verrät sich noch in völliger Dunkelheit.
- Über spezielle Sinnesorgane spürt der Wels sogar schwache elektrische Felder auf, wie sie jedes Lebewesen abgibt.

Die warme Sommernacht ist die Bühne des Welses – und die Dunkelheit ist für ihn kein Hindernis, sondern ein Vorteil.
Die Folge ist entscheidend fürs Angeln: Dunkelheit und Trübung sind für den Wels kein Nachteil, sondern ein Vorteil. Wo die Sichtjäger im trüben Nachtwasser aufgeben, ist der Wels in seinem Element. Genau deshalb ist ihm auch die Mondphase weitgehend egal – er braucht kein Licht (während der Zander von Helligkeit profitiert und der Aal dunkle Nächte bevorzugt). Dass ein paar Arten über elektrische Felder „sehen”, spielt sogar in die Wasserchemie hinein – ein Randaspekt, den der Artikel zur Leitfähigkeit aufgreift.
Der wichtigste Auslöser: steigendes Wasser
Wenn es einen einzigen Schalter für den Wels gibt, dann ist es der steigende Pegel. Kein anderer heimischer Fisch reagiert so stark auf steigendes Wasser wie der Waller. Der Grund liegt auf der Hand: Wenn nach Regen der Pegel klettert, spült die Strömung Nahrung ein, treibt die Beutefische aus ihren Verstecken und trübt das Wasser ein – und die Trübung ist ja genau der Zustand, in dem der Wels seine Sinne voll ausspielt. Diese Kombination macht die steigende Welle oft zur produktivsten Zeit überhaupt. Wie eine Fresswelle bei steigendem Wasser entsteht, liest du im Artikel zum Wasserstand.
Gewitter und warmer Regen
Damit wird klar, warum die schwüle Gewitternacht beim Wels so legendär ist – ähnlich wie beim Aal. Ein warmes Sommergewitter bringt alles mit, was der Wels liebt: warmen Regen, der Nahrung einträgt, einen steigenden, sich eintrübenden Pegel und den fallenden Luftdruck, der die Stimmung kippen lässt. Vor, während und nach dem Durchzug bleibt der Wels aktiv. Wie du Gewitter fürs Angeln nutzt, ohne dich in Gefahr zu bringen, steht im Artikel zum Gewitter beim Angeln – beim nächtlichen Welsansitz gilt das doppelt: Sicherheit geht immer vor.
Wenn die Maifliegen schlüpfen: selbst der Wels wird zum Insektenjäger
So sehr der Wels als Jäger großer Beutefische gilt – am Ende wird auch der größte Räuber im Fluss von der untersten Stufe der Nahrungskette gesteuert: den Insekten. Warum das für alle Fische gilt, steht ausführlich im Artikel dazu, warum selbst die größten Fische von den kleinsten Insekten gesteuert werden – nirgends zeigt es sich eindrucksvoller als beim Eintagsfliegen-Schlupf. Wenn im Früh- und Hochsommer die Maifliegen (Ephemera danica) massenhaft schlüpfen und über dem Wasser tanzen, pulsiert das ganze Gewässer vor Leben – und die Fische schießen sich darauf ein.
Aus Süddeutschland wird immer wieder berichtet, dass die Welse während eines starken Maifliegen-Schlupfs nichts anderes mehr fressen: Der sonst so beutefischorientierte Räuber stellt komplett auf die Insekten um und lässt selbst den perfekt präsentierten Köderfisch links liegen. Wer es nicht glaubt, sieht es hier:
Fürs Angeln heißt das zweierlei: Ein Massenschlupf kann die Karten für einige Tage komplett neu mischen. Solange die Fische selektiv auf die Maifliege eingeschossen sind, läuft es auf klassische Köder oft zäh – sie haben Augen und Maul nur noch für die Insekten. Nach der Fressorgie folgt außerdem häufig eine allgemeine Flaute, aus der sich die Fische erst wieder erholen müssen.
Und weil so ein Schlupf das Beißverhalten tagelang umkrempelt, bildet unser Beißindex den Insektenschlupf eigens ab – allen voran den der Eintagsfliege als wichtigstem Beispiel. Er erkennt, wann das Wasser reif (warm genug) ist, die Luft wärmer als das Wasser steht und Tageslänge wie Windstille zum Schlupf passen – ein aufziehender Sturm dagegen bläst die Insekten aus der Luft und lässt ihn ausfallen. Diesen zu erwartenden Insektenschlupf rechnet das Modell in die Prognose ein, auch für den Wels. So siehst du ein Festmahl kommen, bevor es losgeht.
Schonzeit und Laichzeit beachten
Der Wels laicht spät, im späten Frühjahr bis Frühsommer bei warmem Wasser um 20 °C. Das Männchen baut dabei ein Nest und bewacht die Brut aggressiv. In vielen Bundesländern gilt in dieser Phase eine SchonzeitSchonzeiten, Mindestmaße und Schongebiete ändern sich häufig und unterscheiden sich je nach Bundesland, Land und Gewässer. Alle Angaben auf dieser Seite ohne Gewähr – vor dem Angeltag, besonders an einem neuen Gewässer, immer die aktuellen Regularien auf den offiziellen Seiten prüfen., häufig etwa von Anfang Mai bis Mitte Juni. Die genauen Termine und MindestmaßeSchonzeiten, Mindestmaße und Schongebiete ändern sich häufig und unterscheiden sich je nach Bundesland, Land und Gewässer. Alle Angaben auf dieser Seite ohne Gewähr – vor dem Angeltag, besonders an einem neuen Gewässer, immer die aktuellen Regularien auf den offiziellen Seiten prüfen. sind Ländersache und unterscheiden sich – ein Blick in die Fischereiverordnung deines Bundeslandes ist also Pflicht. Wie die Laichzeit der Beutefische das Beißen anheizt, steht im Laichzeit-Artikel.
Auf einen Blick: die Wels-Sternstunde
Fasst man alles zusammen, sieht die perfekte Welsnacht so aus:
- Jahreszeit: Hochsommer (Juli/August), warmes Wasser über 20 °C
- Tageszeit: von der Abenddämmerung in die Nacht, Schwerpunkt früher Abend
- Wetter: warme, schwüle Gewitterlage mit warmem Regen
- Wasser: steigender Pegel und Trübung – der stärkste Auslöser von allen
Und die härteste Kombination zum Gegenrechnen: kaltes, klares Winterwasser bei fallendem Pegel – dann steht der Wels reglos auf Grund.
So aktiv ist der Wels gerade: der Beißindex
All diese Faktoren – Wärme, Nachtstunde, Gewitterlage und vor allem der Pegelverlauf – für die kommende Nacht zusammenzurechnen, ist genau die Aufgabe, die dir unser Beißindex abnimmt. Er berechnet aus über 40 Einflüssen einen eigenen Wels-Score – und gewichtet dabei genau das, worauf es beim Wels ankommt: die warme Jahreszeit, die Dämmerungs- und Nachtfenster, das Gewitterwetter und ganz besonders den steigenden Pegel, während er die beim Wels unwichtige Mondphase außen vor lässt. Und welches Gewässer für Welse gerade am besten dasteht, zeigt dir der Wels-Beißindex im Gewässer-Vergleich.
Statt selbst zu rätseln, ob die kommende Nacht eine Welsnacht wird, siehst du in der Live-Prognose also in Echtzeit, wie aktiv der Wels gerade ist – und wann sich in den nächsten Tagen die nächste warme, steigende Welle anbahnt. So bist du am Wasser, wenn der Pegel klettert und der große Räuber auf Jagd geht.
Häufige Fragen
Wann beißt der Wels am besten?
Am besten beißt der Wels in warmen Sommernächten von der Dämmerung an – und ganz besonders, wenn nach warmem Regen oder einem Gewitter das Wasser steigt und sich eintrübt. Die Sternstunde ist eine schwüle Hochsommernacht im Juli oder August mit steigendem, angetrübtem Pegel. Am schlechtesten läuft es bei kaltem Wasser im Winter, wenn der Wels regungslos auf Grund steht.
Bei welcher Wassertemperatur beißt der Wels?
Der Wels ist der wärmeliebendste Räuber unserer Gewässer. Richtig aktiv wird er erst ab etwa 20 °C, sein Fressen läuft im warmen Hochsommer auf Hochtouren. Unter rund 12 °C wird er zunehmend träge, und im kalten Winter stellt er das Fressen fast ganz ein. Warmes Wasser ist damit die Grundvoraussetzung fürs Welsangeln.
Zu welcher Tageszeit beißt der Wels?
Der Wels ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Sein bestes Fenster beginnt in der Abenddämmerung und reicht in die Nacht hinein, mit einem Schwerpunkt am frühen Abend gegen 21 Uhr. In stark getrübtem Wasser und an bedeckten Tagen jagt er aber auch tagsüber – er ist eben nicht auf Licht angewiesen.
Warum beißt der Wels bei steigendem Wasser so gut?
Steigendes Wasser ist der stärkste Auslöser überhaupt für den Wels. Wenn nach Regen oder Gewitter der Pegel steigt, spült die Strömung Nahrung ein, die Beutefische werden aus ihren Verstecken getrieben und das eintrübende Wasser gibt dem Wels seinen Heimvorteil. Genau dann geht der große Räuber auf Jagd – oft die produktivste Zeit von allen.
Jagt der Wels nach Sicht?
Nein, und das ist sein großer Trick. Der Wels orientiert sich kaum über die Augen, sondern über seine Barteln (Geschmack und Tastsinn), die Seitenlinie (Druck und Vibration) und sogar über schwache elektrische Felder. Deshalb jagt er in völliger Dunkelheit und in trübem Wasser genauso sicher wie am Tag – Trübung und Nacht sind für ihn kein Nachteil, sondern ein Vorteil.
Spielt der Mond beim Welsangeln eine Rolle?
Kaum. Weil der Wels nicht nach Sicht jagt, ist ihm das Mondlicht weitgehend egal – anders als dem Zander (der von Helligkeit profitiert) oder dem Aal (der dunkle Nächte bevorzugt). Beim Wels lohnt es sich viel mehr, auf die Wassertemperatur und den Pegel zu schauen als auf den Mondkalender.
Wann ist Schonzeit für den Wels?
Der Wels laicht spät, im späten Frühjahr bis Frühsommer bei warmem Wasser um 20 °C; das Männchen baut ein Nest und bewacht die Brut. In vielen Bundesländern gilt dann eine SchonzeitSchonzeiten, Mindestmaße und Schongebiete ändern sich häufig und unterscheiden sich je nach Bundesland, Land und Gewässer. Alle Angaben auf dieser Seite ohne Gewähr – vor dem Angeltag, besonders an einem neuen Gewässer, immer die aktuellen Regularien auf den offiziellen Seiten prüfen., häufig etwa von Anfang Mai bis Mitte Juni. Die genauen Termine und MindestmaßeSchonzeiten, Mindestmaße und Schongebiete ändern sich häufig und unterscheiden sich je nach Bundesland, Land und Gewässer. Alle Angaben auf dieser Seite ohne Gewähr – vor dem Angeltag, besonders an einem neuen Gewässer, immer die aktuellen Regularien auf den offiziellen Seiten prüfen. sind Ländersache – ein Blick in die Fischereiverordnung deines Bundeslandes ist Pflicht.