Eine Meerforelle im November zu fangen gilt als Herausforderung: Die kalte Ostsee ist im späten Herbst wenig einladend und wenn dann noch Regen und Sturm dazukommen, fehlt vielen Anglern der Glaube an den großen Fang. Tatsächlich kommt es aber gerade im November immer wieder zu echten Sternstunden, bei denen bessere und mehr Fische gefangen werden als zur Hauptsaison. Wer das Verhalten der Meerforelle versteht, kann auch jetzt noch zuverlässig Fische fangen. In diesem Beitrag erfährst du, welche Kleinigkeiten den Unterschied zwischen Frust und Begeisterung beim Meerforellenangeln im November machen.
Meerforellen im November ticken anders
Kaltes Wasser – Und sonst?
Kälter, windiger, nasser. Im November sieht das Meer nicht nur von oben, sondern auch unter Wasser anders aus. Das wirkt sich natürlich auch auf das Verhalten der Forellen aus. Es gibt einige wichtige Faktoren, mit denen du im November rechnen musst.
Alles wird langsamer.
Kleine Fische und Insekten sind wechselwarm. Bei den Wassertemperaturen, die in der Ostsee im November oft schon deutlich unter 10 Grad liegen, bewegen sie sich nur noch träge und langsam. Sie sind für die Meerforellen zwar leichter zu jagen, gleichen das aber durch besondere Vorsicht und Tarnung aus. Garnelen, Kleinfische und Wirbellose sind im November seltener im Freiwasser auf Nahrungssuche und verstecken sich häufig im Sand oder unter Hindernissen.
Das Wasser wird trüber.
Stürme und Strömungen wirbeln Sedimente auf, abgestorbene Pflanzenteile tun ihr übriges: Wer Lust hat, im November in der Ostsee zu schnorcheln, wird wahrscheinlich enttäuscht. Bei geringen Sichtweiten von teils unter einem Meter haben auch die Meerforellen Schwierigkeiten bei der Jagd. Geruchssinn und Bewegung spielen jetzt eine größere Rolle als die reine Optik.
Das Nahrungsangebot wird kleiner.
Im Frühjahr und Sommer ist der Tisch für Meerforellen reich gedeckt: Brutfische erkunden in riesigen Schwärmen das Flachwasser, während Heringsschwärme im Paarungsrausch zur Küste ziehen. Ganz zu schweigen von den Tausenden Insekten, die am und im Wasser leichte Beute für die Meerforellen sind. Jetzt im November sieht das anders aus. Von außen wirkt die Ostsee im Vergleich fast wie ausgestorben – wer jetzt die verbliebenen Nahrungsquellen findet, muss nicht lange auf Salmoniden warten.
Die Deckung wird weniger.
Blasentang und Algen sterben im November ab. Damit auch die wichtigsten Verstecke von Beutetieren und Jagdgründe der Meerforellen. Steinstrukturen, Muschelbänke und Wracks ziehen die verbliebenen Kleintiere auf der Suche nach Unterschlupf im November magisch an – und damit auch die Meerforellen.
Wie wirkt sich das auf die Meerforellen aus?
Der Körper der Meerforellen funktioniert bei Wassertemperaturen zwischen 6 und 16 Grad besonders effizient. Der November bietet da mit durchschnittlich 8–9 Grad Wassertemperatur in der Ostsee optimale Bedingungen. Doch neben der Wassertemperatur führt auch der Lebenszyklus der Meerforelle zu ein paar ganz konkreten Verhaltensmustern, die du verstehen musst, um erfolgreich zu sein.
Im November sind viele Meerforellen in der Ostsee noch auf Futteraufnahme konzentriert, doch die Laichzeit rückt näher. Jüngere Forellen, Grönlander und sogenannte Überläufer bleiben oft standorttreu und jagen Wirbellose und kleine Fische. Größere Meerforellen ziehen parallel teils über längere Strecken die Küsten entlang und fressen sich auf dem Weg zu ihren Laichgewässern Fettreserven an. Besonders große Einzelgänger folgen häufig auch im November noch den Heringsschwärmen. Mit Absteigern, also Forellen, die vom Laichgeschäft zurückkehren, musst du im November noch nicht rechnen.
Wenn du vor lauter Braunen, Überläufern, Blanken und Grönländern den Überblick verlierst, schau dir doch unseren Artikel zu den verschiedenen Arten von Meerforellen an.

Wind und Welle verändern die Ostsee im November. Was über Wasser lebensfeindlich wirkt, wird unterwasser zum reich gedeckten Tisch für Meerforellen.
Wie Meerforellen im November finden?
Wo keine Meerforellen sind, wirst du auch keine Meerforellen fangen. Im Gegensatz zum Frühjahr, sind im November besonders tiefere Zonen und Rinnen interessant. Hier sind einige Top-Reviere, in denen speziell im November immer wieder starke Meerforellen gefangen werden. Besonders wichtig im November: In Mecklenburg Vorpommern haben Meerforellen von Mitte September bis Mitte Dezember Schonzeit. In Deutschland kommen deshalb nur Reviere in Schleswig Holstein in Frage, in denen die Entnahme von blanken Meerforellen auch im November teilweise erlaubt ist. Infos zur aktuellen Regelung findest du beim Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern und beim Landesfischereigesetz Schleswig Holstein.
November ist Laichzeit!
Auch wenn im November in vielen Bereichen aktiv auf blanke Meerforellen gefischt werden darf, solltest du in dieser Zeit besonders schonend fischen, um Beifänge im Laichkleid unbeschadet zurücksetzen zu können. Im November ist es darum wichtiger denn je, große Einzelhaken ohne Widerhaken zu fischen, gummierte Kescher zu verwenden und auf das Angeln mit Naturködern zu verzichten.
| Deutsche Reviere im November | Besonderheiten & Tipps |
|---|---|
| Habernis / Flensburg | Steinriff, gute Chancen bei Ostwind |
| Aschau | Sandige und steinige Abschnitte, große blanke Fische |
| Kitzeberg | Besonders interessant bei Westwind |
| Dazendorf | Weniger Angeldruck im November |
| Fehmarn | Bei Wind flexibel befischbar |
Auch in Dänemark gibt es im November einige spannende Hotspots, in denen Meerforellen beangelt und entnommen werden dürfen, wenn sie kein Laichkleid tragen. Details wo und wie genau das erlaubt ist findest du hier.
| Dänische Reviere im November | Besonderheiten & Tipps |
|---|---|
| Als / Südfünen | Immer wieder große Trupps in den Buchten |
| Limfjord | Wärmere Bereiche am Ufer ziehen Meerforellen an |
| Bornholm | Struktur- und nahrungsreiche Region mit Großforellen im November |
Die besten Geheimspots für Meerforellen, ganz unabhängig von der Jahreszeit findest du übrigens in diesem Blogbeitrag.
Wenn du ein passendes Revier gefunden hast, kommt der vielleicht wichtigste Teil: Du musst die Stellen ausmachen, an denen die Meerforellen entlangziehen. Gerade im November konzentrieren sich die Fische oft an einzelnen Hotspots. Wenn du in einem Bereich angelst, in dem Meerforellen aktiv sind, unterscheidet sich die Spotwahl gar nicht so sehr zu der in anderen Jahreszeiten. Hier sind sieben Tipps, mit denen du garantiert die richtigen Spots im November ausmachst.
Was sind die besten Meerforellenköder im November?
Die Vorlieben der Fische können sich im November stündlich ändern – trotzdem gibt es fünf Köder, die zuverlässig liefern. Unsere Auswahl basiert auf persönlichen Erfahrungen, Fangmeldungen und dem typischen Verhalten von Meerforellen im Spätherbst.
1. Möresilda Kupfer
Der klassische Kupferblinker gehört zu den absoluten Top-Ködern für den Spätherbst. Besonders bei bedecktem Himmel und ruhigem Wasser fängt die Möresilda im November konstant Meerforellen. Gerade bei wenig Licht spielt die Kupferfarbe ihre Stärke aus, weil sie unauffällig, aber dennoch gut wahrnehmbar wirkt und vorsichtige Fische oft natürlicher anspricht als grelle Dekore. Am beliebtesten sind kompakte Varianten zwischen 10 und 16 Gramm.
2. Snaps Rot/Schwarz
Der Snaps in rot-schwarz zählt zu den besten Herbstködern für trübes Wasser, Welle und wenig Licht. Durch den starken Kontrast bleibt der Köder auch bei schwierigen Bedingungen gut sichtbar und provoziert häufig aggressive Bisse. Vor allem bei rauem Novemberwetter sorgt die Kombination aus dunkler Silhouette und roten Reizpunkten immer wieder für harte Einschläge.
3. Falkfisch Gnosjödraget
Der Gno ist ein echter Küstenklassiker für kalte Monate. Der verhältnismäßig bauchige Blinker funktioniert in vielen Farbvarianten, vor allem die schwarz-rote Variante wird im November immer wieder erfolgreich gefischt. Der lebhafte Lauf funktioniert besonders gut bei aktiver Führung mit Spinnstopps. Gerade wenn Meerforellen eher träge wirken, reagieren sie häufig stark auf die langsame, auffällige Aktion des Köders.
4. Brenda Fliege
Wenn Blinker versagen, kommt häufig die Stunde der Brenda. Die kleine dunkle Fliege gilt unter vielen Küstenanglern als Ausnahmefänger im späten Herbst und Winter. Besonders vorsichtige Meerforellen reagieren oft deutlich besser auf die unauffällige Silhouette. Im kalten Wasser bringen dunkle Fliegen deshalb nicht selten sofort Fischkontakt, selbst nachdem auffällige Küstenblinker ignoriert wurden.
5. Westin Salty
Der Salty in schwarzsilber ist ein extrem vielseitiger Küstenblinker, der gerade im Herbst seine Stärke ausspielt. Die schlanke Tobis-Form spricht vor allem größere Meerforellen an, die im November häufig Jagd auf Sandaale machen. Farben wie Schwarzsilber oder Green Sardin funktionieren dabei besonders gut bei ruhigerem Wasser, weil die natürliche Silhouette perfekt zu den typischen Beutefischen der späten Saison passt.
Fazit: Lohnt sich das Meerforellenangeln im November
Das Angeln auf Meerforellen im November kann zu wahren Sternstunden führen, da sinkende Wassertemperaturen den Stoffwechsel der Fische anregen und sie vor dem Wintereinbruch aktiv nach Nahrung suchen lassen. Während die Hauptsaison im Frühjahr oft überlaufen ist, profitieren Angler im Spätherbst von deutlich geringerem Angeldruck und einer höheren Chance auf kapitale „Überspringer”. Die Fische sind bei trüberem Wasser weniger scheu und die Beißphasen nicht mehr nur auf die Dämmerung begrenzt, sondern über den ganzen Tag verteilt. Wer windgeschützte Reviere mit tiefen Rinnen wählt und auf unauffällige Köder setzt, kann im November die besten Fangtage des Jahres erleben.
Häufige Fragen
Darf man Meerforellen im November fangen?
Das hängt vom Revier ab. In Mecklenburg-Vorpommern gilt von Mitte September bis Mitte Dezember Schonzeit. In Schleswig-Holstein dürfen blanke Meerforellen (ohne Laichkleid) in dieser Zeit entnommen werden. In Dänemark ist das Fangen teils ebenfalls erlaubt, solange die Fische kein Laichkleid tragen. Informiere dich vor dem Angeln immer über die aktuellen Regelungen im jeweiligen Revier.
Wann ist die beste Tageszeit für Meerforellen im November?
Im November sind Meerforellen deutlich tagaktiver als im Sommer. Die erste Stunde nach Sonnenaufgang ist klassisch die produktivste – allerdings können die Fische bei bedecktem Himmel und Wellengang auch mittags und nachmittags aktiv sein. Anders als im Frühjahr lohnen sich im November auch die Stunden um die Mittagszeit.
Welche Köder fangen im November die meisten Meerforellen?
Bewährte Köder im November sind Kupferblinker (z.B. Möresilda Kupfer), kontrastreiche Blinker in Rot-Schwarz sowie schlanke Tobis-Blinker wie der Westin Salty. Bei vorsichtigen Fischen oder nach einer Flaute liefern kleine dunkle Fliegen wie die Brenda oft überraschend gute Ergebnisse. Generell gilt: langsame bis mittlere Köderführung, dezente Farben.
Wie tief stehen Meerforellen im November?
Meerforellen im November halten sich gerne in Tiefen zwischen einem und vier Metern auf, besonders an Steinstrukturen, Rinnenkanten und Buhnenwurzeln. Ideal sind teife Stellen, die direkt an flachere Zonen angrenzen. Bei sehr klarem Wasser und wenig Wellengang weichen sie oft tiefer aus, dann lohnen sich Köder mit guten Flugeinschaften, um tiefere Rinnen zu erreichen. Nichtsdestotrotz ist auch in tieferen Bereichen eine Köderführung im Mittelwasser oder sogar oberflächennah erfolgreicher, als das grundnahe Angeln, das man aus dem Süßwasser im Novermber kennt.
Was ist eine blanke Meerforelle?
Eine blanke Meerforelle ist ein Fisch, der kein Laichkleid trägt – also silbrig glänzt und sich noch im Salzwasser-Ernährungszustand befindet. Laichreife Meerforellen dagegen verfärben sich dunkel-rötlich und ziehen in Richtung Laichgewässer. Im November sind blanke Fische vor allem in Revieren mit Heringsvorkommen zu finden; laichreife Tiere sollten immer vorsichtig zurückgesetzt werden.
Wie kalt ist das Wasser im November in der Ostsee?
Die Wassertemperatur liegt im November in der Ostsee typischerweise zwischen 7 und 11 Grad. Das entspricht genau dem Temperaturoptimum der Meerforelle (6–16 Grad) – ein Grund, warum der November trotz schwierigem Wetter einer der besten Monate für Meerforellen ist.






